Eine der schönsten und anspruchsvollsten Wandertouren der Insel

Torrent de Pareis - Von Escorca nach Sa Calobra

Die Basics

Ausgangspunkt & Anfahrt

Ausgangspunkt der Tour ist Escorca, eine nur aus wenigen Häusern bestehende Gemeinde an der C710 zwischen Sóller und Pollença. Da die Strecke keine Rundwanderung erlaubt und kein öffentlicher Bus Sa Calobra anfährt, ist der Rückweg zum Auto ein Problem. Es sei denn, Sie können mit 2 Autos planen und eines zunächst nach Sa Calobra bringen.
Für alle, die aus Sóller starten, empfiehlt sich daher eine Rundreise: Der öffentliche Bus bringt sie früh morgens von Sóller oder Port de Sóller nach Escorca (Stand 08/2007: Sonntags kein Busverkehr!). Nach der Wanderung ist die Rückkehr nach Port Sóller mit den Sa Calobra Fähren der Barcos Azules möglich (unbedingt vorher Fahrplan checken!).

Strecke

Reine Gehzeit: mind. 4.30 Std.
Gesamtzeit: 6.30-7 Std.
Wegstrecke: ca. 6,4 km
Höhenmeter: -

Schwierigkeistsgrad: **** (schwierig)

Im Torrent de Pareis treffen Sie immer wieder auf größere Hindernisse, die für durchschnittlich trainierte junge Kinder und ältere Menschen nicht zu überwinden sind. Mehrfach ist die Benutzung eines Seils anzuraten, oft sind diese auch bereits befestigt. Dabei dürfen Sie nie aus den Augen verlieren, dass ein Verlassen des Torrents bis Calobra nicht möglich ist! Auch wenn es eigentlich nur bergab geht, so verlangt die mehrstündige Wanderung über Felsblöcke und Kiesgrund eine sehr gute Ausdauer. Nur geübte und gut trainierte Wanderer mit Spass am Klettern, absoluter Trittsicherheit und ohne Höhenangst sollten diese Strecke in Angriff nehmen.

Jahreszeit

Ohne Canyoning Guide und spezielle Ausrüstung wie Neoprenanzug kann der Torrent de Pareis nur in trockenem Zustand begangen werden, was im allgemeinen zwischen Mai und Oktober der Fall ist. Erkundigen Sie sich aber trotzdem nach dem aktuellen Zustand im Torrent bevor Sie aufbrechen und rechnen Sie mit dem Ausnahmefall, am Ende der Tour nasse Füße zu bekommen. In den Sommermonaten wird Wandern aufgrund der Hitze schwierig - in diesem Fall empfehlen wir Ihnen einen Start mit Sonnenaufgang um die große Mittagshitze zu meiden.

Ausrüstung & Verpflegung

Festes Schuhwerk ist für alle Teilnehmer Pflicht. Ein ca. 5 m langes Seil ist ebenfalls angebracht, denn man sollte sich nicht auf das Vorhandensein von Seilen an allen schwierigen Stellen verlassen. Ein Wanderstock ist in der Schlucht hinderlich!

Fotografen: lichtempfindlicheren Film (400 ASA) oder Stativ falls ein Ausflug in Dunkelheit von Sa Fosca geplant wird.
Sie sollten sich bereits vor der Anreise ausreichend mit Wasser und Proviant eindecken. Das Restaurant in Escorca hat bei Ihrem Aufbruch meist noch nicht offen und die nächste Möglichkeit gibt es erst wieder in Sa Calobra, also am Ende der Tour. Unterschätzen Sie Ihren Wasserverbrauch nicht!

Gefahren

Jedes Jahr müssen mehrere Gruppen aus der abenteuerlichsten Schlucht Mallorcas gerettet werden. Der Grund hierfür ist fast immer: Selbstüberschätzung und ungenügende Vorbereitung, schlechte Ausrüstung inbegriffen. Daher: nehmen Sie die Hinweise zu Ausrüstung und Verpflegung sehr ernst und gehen Sie die Tour zunächst besser mit einem ortskundigen Führer!
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass größere Regenfälle Flutwellen im Torrent auslösen können, ist dies praktisch keine Gefahrenquelle wenn das Flussbett trocken ist.

Wanderkarte

Freytag & Berndt, Mallorca - Tramuntana, 1:50 000

Die Wanderung

Die Wanderung zum Torrent hinab

Sie parken Ihren Wagen in der Nähe der kleinen Kapelle von Escorca, direkt an der Straße C-710 Sóller - Pollença). Eine große Informationstafel weist auf die Gefahren des Torrent de Pareis hin und direkt daneben beginnt ein kleiner Pfad hinab Richtung Meer.

Das erste Stück durch Aleppokiefern und Steineichen ist gemütlich zu bewältigen bis man nach ca. 500 m. an den Abhang zum Torrent hinunter gelangt (an dieser Stelle handelt es sich noch um den Torrent de Lluc). Von hier aus bietet sich bereits ein eindrucksvoller Blick auf den weiter hinten nur zu erahnenden Lauf des Torrente de Pareis und das Meer hinter den mächtigen Bergen - das Ziel Ihrer Wanderung. Nun beginnen Sie den Abstieg, der Weg führt über stark ausgekarstete Felsen und durch teilweise dichtes, hüfthohes Disz-Gras, stellenweise gepaart mit diversen Dornenbüschen. Sie treffen auf keine größeren Schwierigkeiten, jedoch verdeckt der Bewuchs den Blick auf den Boden und kann ganz unangenehme, kleine Schnittwunden auf der Haut hinterlassen.

Nach einer guten halben Stunde haben Sie den Abstieg bewältigt und betreten das ausgetrocknete Flussbett des Torrent de Lluc. Schnell entfaltet sich die beeindruckende Wirkung der steil emporragenden Felswänden zu beiden Seiten. Die Schlucht bietet ab hier keine weitere Ausstiegsmöglichkeit mehr.

Der Weg führt nun im Flussbett entlang über mittelgroße Blöcke die vom Wasser rundgewaschen wurden. Sie treffen für ca. 500 m. auf keine nennenswerte Schwierigkeiten bis der Torrent de Pareis zum ersten Mal sein wahres Gesicht zeigt. Riesige Felsen blockieren den Weg, nur auf der rechten Seite ist ein wenig Platz für das Wasser in den Regenmonaten (Umgehen am Ufer links möglich).

Die beeindruckende Kraft dieser Wassermassen kann man deutlich sehen, die Steine sind wunderbar glatt geschliffen, der mitgeschwemmte Lehm legt sich in dünnen Schichten über deren Oberfläche die in der Sonne glitzert. Durch den enormen Druck des Wassers an engeren Stellen werden Felsbrocken durch Lehm förmlich verbunden - teilweise kann man mehrere verbundene Steine nicht mehr von einem großen unterscheiden. Die zahlreichen Wanderer haben die Steine noch zusätzlich "poliert", was das Festhalten an den Felsbrocken fast unmöglich macht. Das nur an einer engen Stelle hinabstürzende Wasser hat sich unten tief in den Kiesboden gegraben und Rückläufe haben die Felsen unterspült - die sich daraus ergebenden Formationen werden Sie den ganzen Weg in Atem halten.

Ein Ausflug in die Dunkelheit

Nach wenigen Minuten öffnet sich das Tal zur linken Seite. An dieser Stelle ("S'entreforc") vereinigen sich der Torrent de Lluc mit dem Torrent de Gorg Blau zum Torrent de Pareis. Schon nach wenigen Metern zeigt sich die volle Pracht dieses Torrent de Gorg Blau - die Breite beträgt nur noch wenige Meter, der Blick nach oben zeigt nur noch einen schmalen Schlitz blauen Himmel. Einige von oben herabgefallenen Felsbrocken sind zwischen den Wänden eingeklemmt und erschweren zusätzlich das Eindringen von Licht.

Die Felsen zeigen schnell, welche Wirkung die Dunkelheit hier entfaltet - die Oberfläche schimmert grünlich, ist noch rutschiger als zuvor und man kann deutlich einen feuchten, fast modrigen Geruch wahrnehmen der aber nicht unangenehm wirkt. Immer wieder hört man aus ihren weit obenliegenden Nestern aufschreckende Vögel deren wiederhallende Geräusche ein fast unheimliches Gefühl vermitteln.

Die Schwierigkeiten im Torrent de Gorg Blau nehmen schnell zu, nur ca. 200 m. sind ohne Kletterausbildung und -ausrüstung möglich. Die Steine werden durch den Moosbewuchs unberechenbar und sind bereits vielen etwas zu unbedarften Wanderern zum Verhängnis geworden. Denken Sie daran: schon ein verstauchter Knöchel hätte hier fatale Folgen! Nach diesen ca. 200 m. verschwindet das Licht fast völlig. Jetzt wird klar, warum die Mallorquiner diesen Torrent "Sa fosca" nennen - "die Dunkelheit". Spätestens hier sollten Sie umkehren und zum Ausgangspunkt S'entrefoc zurückkehren.

Über, unter und zwischen den Felsbrocken

Mit dem nun folgenden Teil der Wanderung beginnt der eigentliche Torrent de Pareis, es ist der Part mit dem größten Gefälle und birgt die größten Schwierigkeiten. Glücklicherweise ist das ausgetrocknete Flussbett hier durchweg 30 bis 40 m. breit, so dass sich immer eine geeignete Abstiegsmöglichkeit findet.
An besonders schwierigen Stellen wurden die glatten Felsen mit Pickel aufgerauht um wenigstens eine minimale Standfestigkeit zu gewährleisten. Wo nötig finden sich auch Befestigungsmöglichkeiten für Ihr Seil bzw. sind bereits Seile angebracht. Steinmännchen zeigen stets die möglichen Wege durch die Felsbrocken. An anderen Stellen müssen Sie bis 1.50 m. von einem Felsen auf den nächsten springen.

Ausdauer ist gefragt!

Der nun folgende Teil ist weniger durch schwierige Stellen als durch flachere Kiesbänke und kleinere Felsbrocken geprägt. Das Gefälle nimmt etwas ab aber die Felswände rücken zunehmend zusammen und die Schlucht wird enger. Der Blick die Felswände hinauf wird somit noch beeindruckender. Inmitten der "langweiligen" Kiesbänke finden sich immer wieder wunderschöne, vom Wasser in Künstlerischer Art und Weise geschliffene Felsbrocken. Manche, erst kürzlich heruntergestürzte, sehr kantige Felsbrocken machen deutlich, mit welcher Ausdauer, Kraft und Kontinuierlichkeit das Wasser sich an den Steinen zu schaffen macht.

Nach ca. 1 km sehen Sie auf der rechten Seite eine große dunkle Öffnung, während die Schlucht leicht nach links abbiegt und nochmal ein Stück enger wird. Die flaschenförmige Öffnung führt in eine nur ca. 30 m. tiefe, dafür aber sehr hohe Höhle, deren Innenleben man leicht erklimmen kann. Durch die Enge der Schlucht können Sie im weiteren Verlauf den Hindernissen kaum mehr ausweichen, was den Schwierigkeitsgrad trotz nicht so starkem Gefälle wieder etwas ansteigen lässt. Vielerorts werden Sie kleine und größere Wasserbecken sehen in denen letzte Reste der Fluten gepaart mit Regenwasser der Hitze zum trotz halten und für etliche Kleinstlebewesen Geburtsstätte sind.

Die Wasserbecken werden im letzten Abschnitt vor der Mündung ins Meer größer und können schon mal verhindern, dass Sie völlig trockenen Fußes bis an das Ende des Torrent de Pareis gelangen. Das Tal weitet sich nun wieder, die Kiesbänke werden ausgedehnter und die salzige Meeresluft ist bereits zu schmecken. Jetzt stehen Sie ganz kurz vor einem kleinen Schockerlebnis - zumindest im Hochsommer. Nach mehreren Stunden Ruhe und Einsamkeit mit der Natur bereiten einem hunderte, am Kiesstrand von Sa Calobra Badende einen ernüchternden Empfang. Sollten Sie keine Getränke mehr bei sich führen, so wartet schon der nächste kleine Schock wenn Sie sich diese kaufen - die "Einsamkeit" von Sa Calobra macht sich auf der Preisliste eindeutig zu Ihren Ungunsten bemerkbar.

 

Mo 21

Temp. Min / Max: 21°C / 33°C
Wind:
Geschwindigkeit: 0 km/h
Regen (mm): 0.0
 
 
 
 
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